Fellwechsel beim Hund: was im Frühjahr und Herbst wirklich hilft
Zweimal im Jahr liegt die halbe Wohnung voll Fell. Was dabei im Hund passiert – und warum Scheren der schlechteste aller Auswege ist.
Martina Regele·Master-Groomer & Inhaberin·

Im Frühjahr und Herbst tauschen Hunde ihr Fell. Bei Stockhaarrassen wie Schäferhund, Husky, Australian Shepherd oder Berner Sennenhund fällt dabei über mehrere Wochen eine erstaunliche Menge Unterwolle an. Das ist kein Problem, sondern Biologie – schwierig wird es nur, wenn die Wolle im Fell bleibt.
Was beim Fellwechsel passiert
Hundefell besteht aus zwei Schichten: dem festen, wasserabweisenden Deckhaar und der weichen, isolierenden Unterwolle. Gesteuert über die Tageslichtlänge baut der Hund im Frühjahr die dichte Winterunterwolle ab und im Herbst wieder auf. Das Deckhaar bleibt dabei weitgehend erhalten.
Die abgestoßene Unterwolle löst sich aus dem Follikel, verbleibt aber im Fell hängen. Wird sie nicht entfernt, verfilzt sie zu einer dichten Matte direkt auf der Haut. Die Folge: Die Luft zirkuliert nicht mehr, Feuchtigkeit bleibt stehen, die Haut wird gereizt – und der Hund kann im Sommer seine Temperatur schlechter regulieren.
Warum Scheren die falsche Lösung ist
Es klingt logisch: Fell ab, Hund kühler. Es stimmt aber nicht. Das Deckhaar wirkt wie eine Isolierschicht in beide Richtungen und schützt zusätzlich vor Sonnenbrand und Insektenstichen. Wird ein Stockhaarhund geschoren, wächst außerdem oft die Unterwolle schneller nach als das Deckhaar – das Ergebnis ist ein wolliges, stumpfes Fell, das noch stärker verfilzt. Bei manchen Hunden erholt sich die Fellstruktur nie vollständig.
Die richtige Lösung heißt nicht kürzer, sondern leerer: Unterwolle raus, Deckhaar bleibt.
Was zu Hause hilft
- Häufigkeit erhöhen. Im Fellwechsel täglich fünf bis zehn Minuten statt einmal pro Woche eine Stunde.
- Unterwollharke statt Bürste. Eine normale Bürste erreicht die Unterwolle nicht.
- Draußen kämmen. Spart Staubsaugen und die Vögel freuen sich über Nistmaterial.
- Ernährung im Blick behalten. Ausreichend Omega-3-Fettsäuren unterstützen Haut und Fell. Ungewöhnlich starker oder ganzjähriger Haarausfall gehört zum Tierarzt abgeklärt – dahinter können Schilddrüse, Allergien oder Parasiten stecken.
Was der Salon anders kann
Professionell läuft der Fellwechsel in drei Schritten ab: ein Bad mit unterwolllösendem Shampoo, das die Wolle im Follikel lockert, anschließend das Ausblasen mit einem Hochleistungsföhn, der die gelöste Wolle regelrecht aus dem Fell treibt, und zum Schluss systematisches Auskardieren. Was zu Hause über Wochen anfällt, ist damit in ein bis drei Stunden erledigt – und der Unterschied ist sofort spürbar.
Für die meisten Stockhaarhunde reichen zwei solche Termine im Jahr, jeweils zu Beginn des Fellwechsels.


