Zum Inhalt springen
Selbstständigkeit · 9 Min. Lesezeit

Hundesalon eröffnen: Kosten, Rechtliches und Kalkulation

Die meisten Hundesalons scheitern nicht am Handwerk, sondern an der Kalkulation. Was ein Salon kostet, was er einbringen muss und welche Papiere Du brauchst.

Martina Regele·Master-Groomer & Inhaberin·

Eingerichteter Pflegeplatz in einem Hundesalon mit hydraulischem Pflegetisch, Föhn und Produktregal

Der eigene Salon ist für die meisten Groomer das Ziel – und tatsächlich ist die Einstiegshürde niedriger als in fast jedem anderen Handwerk. Trotzdem geben viele nach zwei bis drei Jahren wieder auf. Fast nie, weil sie schlecht schneiden. Fast immer, weil die Zahlen nicht stimmen.

Was kostet die Gründung?

Realistische Startinvestition für einen Ein-Personen-Salon:

  • Hydraulischer Pflegetisch: 400 – 1.200 €
  • Hundebadewanne mit Zulauf: 800 – 2.500 €
  • Hochleistungsföhn (Blaster): 300 – 900 €
  • Schermaschine plus Scherköpfe: 400 – 900 €
  • Scherensatz (gerade, Bogen, Effilier): 500 – 2.000 €
  • Bürsten, Kämme, Trimmwerkzeug: 200 – 500 €
  • Shampoos und Pflegeprodukte (Grundstock): 300 – 600 €
  • Einrichtung, Wartebereich, Kasse, Schilder: 1.000 – 5.000 €
  • Kaution und erste Miete: je nach Lage
  • Website, Logo, Visitenkarten: 500 – 3.000 €

Unterm Strich: ab etwa 8.000 € sparsam, realistisch 15.000 – 25.000 €. Wer gebraucht kauft und klein anfängt, kommt deutlich günstiger weg – bei Scheren allerdings ist Sparen falsch, stumpfes Werkzeug ruiniert Schnitt und Handgelenke.

Die laufenden Kosten

Monatlich fallen typischerweise an: Miete und Nebenkosten, Strom und Wasser (deutlich mehr als in einem Büro), Produkte, Scherenschliff und Wartung, Versicherungen, Steuerberater, Website und Marketing, Rücklagen für Ersatzgeräte. Für einen kleinen Salon summiert sich das schnell auf 1.200 – 2.500 € im Monat, bevor Du einen Cent verdient hast.

Preise kalkulieren – die entscheidende Rechnung

Rechne rückwärts, nicht vorwärts. Nicht „was nehmen die anderen“, sondern „was muss ich nehmen“.

  1. Wunscheinkommen festlegen. Sagen wir 2.500 € netto im Monat.
  2. Steuern und Sozialabgaben aufschlagen. Grob mal 1,6 → rund 4.000 € Rohertrag nötig.
  3. Betriebskosten addieren. Plus 1.800 € → 5.800 € Umsatz im Monat.
  4. Realistische Arbeitstage ansetzen. 18 produktive Tage – Urlaub, Krankheit, Büroarbeit und Leerlauf abziehen.
  5. Hunde pro Tag festlegen. Vier ist realistisch, fünf ist ein sehr guter Tag.

5.800 € geteilt durch 18 Tage geteilt durch 4 Hunde ergibt rund 80 € Durchschnittspreis pro Hund. Wer 55 € nimmt, arbeitet strukturell unter Wert – und merkt es erst, wenn die Steuernachzahlung kommt.

Rechtliches: Diese Papiere brauchst Du

  • Gewerbeanmeldung beim Gewerbeamt.
  • Keine Erlaubnis nach § 11 Tierschutzgesetz nötig. Für die reine Fellpflege gilt die Erlaubnispflicht nicht – sie betrifft Zucht, Handel, Tierheime und das Ausbilden von Hunden für Dritte. Nur wenn Du zusätzlich als Hundetrainer arbeitest, brauchst Du sie.
  • Betriebshaftpflichtversicherung – zwingend mit Einschluss von Tierhüterschäden. Wenn ein Hund im Salon verletzt wird oder wegläuft, geht es um viel Geld.
  • Steuerliche Erfassung beim Finanzamt. Kleinunternehmerregelung prüfen: unter der Umsatzgrenze sparst Du Umsatzsteuer, darfst aber keine Vorsteuer ziehen – bei hohen Anfangsinvestitionen kann Regelbesteuerung günstiger sein.
  • Hygiene- und Entsorgungskonzept für Fell, Abwasser und Desinfektion.

Diese Übersicht ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung. Sprich vor der Gründung mit Deinem Steuerberater und dem zuständigen Veterinäramt.

Die ersten Kunden

Der wichtigste Kanal ist nicht Instagram, sondern Google. Wer „Hundesalon“ plus Stadtname sucht, will heute einen Termin. Deshalb in dieser Reihenfolge:

  1. Google-Unternehmensprofil anlegen, vollständig ausfüllen, Fotos hochladen, Öffnungszeiten pflegen.
  2. Nach jedem zufriedenen Kunden aktiv um eine Bewertung bitten. Bewertungen sind der stärkste lokale Rankingfaktor.
  3. Eine schnelle, mobile Website mit klarer Preisliste und einfacher Terminanfrage.
  4. Vorher-Nachher-Bilder auf Instagram – aber als Portfolio, nicht als Hauptkanal.
  5. Kooperationen mit Tierärzten, Hundeschulen, Tierheimen und Zoofachhandel.

Drei Fehler, die richtig teuer werden

  • Zu billig starten. Preise nach oben durchzusetzen ist ungleich schwerer, als von Anfang an richtig zu kalkulieren.
  • Kein Termin-Puffer. Wer im 60-Minuten-Takt plant, gerät beim ersten Filzhund in Verzug und arbeitet den ganzen Tag hinterher.
  • Zu spät ausgebildet. Wer ohne solide Ausbildung startet, lernt an Kundenhunden – und bezahlt Lehrgeld mit dem eigenen Ruf.
Kursplatz anfragen